Moji lubi Serbja, witajće na moju internetowu stronu!
Wot 02. januara do 25. februara 2017 póndu skóncnje zaso do Malawi - tutón raz jako baba na dzelo do chorownje!
Budze to missijonska chorownja "St. Gabriel's Hospital" w Namitete, nekak 60 km wot hlowneho mesta Lilongwe zdalene.
Wopytac budu pak na kózdy pad tez zaso moj nehdysi projekt - zakladnu sulu swj. Franciskusa,
"St. Francis Catholic Primary School" a franciskanki w Madisi.
Na tutej stronje sym hižo a chcu tež w dalšim času hisće wo mojich dožiwjenjach powědać a snano tež Waš zajim za tutón kraj a za dźěći z Madisi (Malawi) dale zesylnić.

Mittwoch, 3. April 2019

Die Lausitz hilft *** Łužica pomha

Meine Lieben, auch Ihr habt die Möglichkeit, ganz direkt den Opfern der Wirbelsturm-Katastrophe "Idai" in Malawi zu helfen! Der Cyrill-Methodius-Verein e.V. (TCM z.t.) wirbt mit der Aktion "Die Lausitz hilft" ("Łužica pomha") um Spendengelder, die anschließend direkt zu den Franziskanerinnen nach Madisi weitergeleitet werden. Madisi ist Gott sei Dank verschont geblieben von den heftigen Unwettern und katastrophalen Regenfällen in den vergangenen Wochen. Doch das lässt die Schwestern nicht still stehen und zuschauen. Sie packen mit an und leiten eigene, aber auch Hilfe aus Deutschland gezielt weiter, sodass sie ankommt, wo sie dringend benötigt wird! Jeder Euro hilft und kommt an! Folgende Kontodaten sind notwendig: Cyrill-Methodius-Verein e.V. IBAN: DE 65 750 90 300 000 828 23 66 Bank: LIGA Bank eG Verwendungszweck: Malawi Ich danke Euch schon jetzt für Eure weitreichende Mithilfe! Vergelt's Gott. Zikomo kwambiri! Franziskanerinnen von Salzkotten helfen ****** Moji lubi, tez za was dale skladnosc, woporam tropoweho wichora "Idai" w Malawi cyle wosobinsce pomhac. Towarstwo Cyrila a Metoda z.t. (TCM) prosy ze akciju "Łužica pomha" wo pjenjezne dary, kotriz so hnydom fanciskankam w Madisi prepokazuja. Bohu dzak nejsu w Madisi hoberske skody wichora abo wulkeje wody dla nastanyli. Ale to pak sotram njeda z merom stac abo prihladowac. Nawopak - woni wosobinsku pomoc, ale tez pjenjezne dary z Nemskej njeposrednje dale dalac, zo bych so potrebnym z tym molho zamerny pomhac! Kozdy euro pomha! Scehowace kontowe daty su za prepokazanje trebne: Cyrill-Methodius-Verein e.V. IBAN: DE 65 750 90 300 000 828 23 66 Banka: LIGA Bank eG hesło: Malawi Dzakuju so hizo netko za was njesebicny angazement! Zaplac Boh ton knjez. Zikomo kwambiri! Franciskanki pomhaja w Malawi

Freitag, 7. April 2017

Malawi ist meine zweite Heimat

Foto: Gernot Menzel

Es wird wohl nicht der letzte Einsatz in Malawi gewesen sein... 



„Überwältigt.“ Dieses Wort trifft meine Gefühlslage der letzten Monate wohl am besten. In vielerlei Hinsicht bin ich überwältigt. Zum einen überwältigte mich das riesige Interesse und die Spendenbereitschaft vor meinem Abflug nach Malawi! Gleichzeitig zeugt das von einem unglaublichen Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben! Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal von ganzem Herzen bedanken! Und auch im Namen der Menschen in Malawi. Es sind mehr als 13.500 € zusammengekommen! Das ist eine riesige Summe, mit der ich niemals gerechnet habe. Vielen herzlichen Dank.
Der neue weiße Stoff für alle Entbindungsbetten in Namitete.
Ermöglicht durch Ihre Spenden!
Gut 13.000 € habe ich den Schwestern in Madisi übergeben können, die nun wieder nach vorn blicken und ihr Schulprojekt weiterführen, aber auch die vielen kleinen Projekte - Nöte und Sorgen der Mitmenschen lindern können. Für etwa 50 € habe ich einigen meiner befreundeten Familien Essenspakete gepackt, worin sich u.a. Zucker, Salz, Öl, Eier, Seife oder Waschmittel befanden. Circa 120 € habe ich für neue Matratzen-Bezüge im Kreißsaal in Namitete verwendet. Die alten wurden nur noch an einzelnen Seitennähten zusammen gehalten, aus allen Ecken schaute der Schaumstoff heraus. Es war wirklich kein hygienisches Arbeiten.
Wenige Tage vor meiner Rückreise nach Deutschland ereilte mich in Madisi die schlimme Nachricht, dass der hiesige Gemeindepriester, Pfarrer Khisi, vom Bischof kurzerhand suspendiert wurde – kein Einzelfall in Afrika. Die Bischöfe führen sich oft „wie Könige“ auf und spielen mit ihrer Macht kluge, sehr engagierte und bei den Menschen beliebte Priester ins Aus. Diese stehen dann vor dem Nichts, da malawische Priester zeitlebens auf die Spenden aus einer Gemeinde angewiesen sind. Dazu zählen Geldspenden, aber auch die täglich benötigten Lebensmittel, die sonntags in der Kirche geopfert werden, sowie ein Dach über dem Kopf, welches die Diözese stellt. Pfarrer Maximilian Khisi aus Madisi hat nun nichts mehr, da auch seine Eltern schon verstorben sind, kann er nicht einmal zu ihnen zurückkehren. Da er in seinen drei Wirkungsjahren in Madisi sehr eng mit den Schwestern zusammengearbeitet und viel auf die Beine gestellt hat, wird ihm nun auch von ihnen geholfen. Das von seiner Schwester noch nicht vollendete Haus im Nachbarort muss schnellstmöglich fertiggestellt und eingerichtet werden. Dabei konnten auch mein Verlobter Marko und ich noch ein wenig helfen – und gaben ihm kurzerhand die noch verbliebenen 200 € der Spenden. Somit hat er zunächst ein Startkapital und kann sich über die nächsten Monate versorgen.
Die Übergabe von einem der Spendenkoffer aus Deutschland. 
Darüber freuen sich hier Klinikdirektor Dr.Mbeya und 
Pflegeleiterin Martha Gaston

„Du wirst nie mehr ganz zu Hause sein, denn ein Teil deines Herzens wird immer an einem anderen Ort bleiben. Das ist der Preis, den du zahlst, für den Reichtum, Menschen an mehr als einem Ort der Erde zu kennen und zu lieben.“ (Miriam Ardeney)


Wie wahr dieses Zitat doch ist, wurde mir spätestens nach meinem ersten Malawi-Aufenthalt im Jahre 2012/2013 sehr bewusst. Und auch nach den letzten unglaublich berührenden und erfahrungsreichen acht Wochen zurück in meiner zweiten Heimat geht es mir nicht anders! Ich kann vieles noch nicht richtig realisieren und gewöhne mich langsam wieder an die Gegebenheiten und das Leben hier Deutschland!
Am 03. Januar 2017 im St. Gabriel’s Hospital in Namitete angekommen, war es natürlich erst einmal ein neuer Ort, ein neues Projekt, neue Menschen, die ich kennenlernen musste. Aber überwältigend waren auch hier die überaus freundlichen und herzlichen Mitmenschen! Mit Hilfe meiner Kollegen fühlte ich mich sofort zu Hause und nicht an einem fremden Ort. Auch meine Sprachkenntnisse erleichterten mir die Arbeit im Kreißsaal ungemein. Somit benötigte ich bald nur noch selten eine Übersetzungshilfe und schon nach meinen ersten Arbeitstag am 04. Januar hatte mich die malawische Lebensweise wieder gepackt.
Auch der kleinen Christina konnte ich auf die Welt helfen. 
Hier zu sehen mit ihrer glücklichen Mama, die ihrer Tochter 
unbedingt und voller Stolz den Namen ihrer "weißen" Hebamme geben wollte
Bereits aus meinem Praktikum im Madisi Mission Hospital 2012 wusste ich, dass die Arbeit in einem malawischen Kreißsaal eine ganz andere ist, als ich sie in Deutschland erlernt habe. Und das bekam ich gleich in der ersten Woche hautnah mit: eine Frau unter der Geburt liegt allein auf einem der sechs Entbindungsliegen im Kreißsaal, die Vorhänge als Trennwand bieten nur eine sehr geringe Privatsphäre, vierstündlich wird sie untersucht, ansonsten ist die Betreuung sehr gering. Nach den Herztönen des Kindes wird mehr oder weniger intensiv mit dem Pinardrohr gehört – ein CTG gibt es nicht. Kommt es zur Austreibungsphase der Geburt, stehen plötzlich die Hebamme und noch einige der Stationshelferinnen um das Bett der Frau versammelt, brüllen auf die Gebährende ein, schlagen sie manchmal, damit sie auf dem Rücken liegend ihr Kind herauspresst…Nach der Geburt wird das Kind gewogen und in mehrere Chitenje (bunte Tücher, von der Mutter mitgebracht) eingewickelt. Die Mutter wird ebenfalls versorgt, dann darf sie nach circa 10 Minuten "Erholung" duschen gehen, ohne dass sie bisher ihr Kind im Arm hatte. Das bedeutet, sie nimmt ihre kleine Schüssel ins „Bad“, reinigt mit dem mitgebrachten Stück Seife zuerst die waschbaren Leinen des Krankenhauses, worauf sie lag, anschließend ihre eigene bunten Baumwollstoffe, auf welchen sie ebenfalls entbunden hat und welche blutig geworden sind. Erst danach duscht sie sich selbst. Im Anschluss hängt sie die Leinen des Krankenhauses im Hof auf die Wäscheleine und geht dann mit ihren Sachen auf die Wochenstation. Das Kind holt eine Verwandte ab und bringt es ihr später. In einem deutschen Kreißsaal wäre dies alles undenkbar, doch in Malawi müssen die Frauen einfach mehr aushalten. Die Geburt eines Kindes wird wahrlich nicht als „Ereignis“ zelebriert – in vielen Fällen freuen sich die Mütter auch nicht so überschwänglich, wenn sie es einmal mehr geschafft haben.

Ich habe im Kreißsaal mit sehr vielen jungen Müttern gearbeitet. Die meisten, die ihr erstes Kind
Der kleine Lamek kam zu früh auf die Welt,wog fast nichts
und hatte Probleme mit seiner Atmung.
Nach gut vier Wochen Krankenhausaufenthalt konnten wir ihn
mit seiner überglücklichen Mutter endlich nach Hause entlassen
erwarteten, waren kaum älter als 16 oder 18 Jahre! Mit Anfang 20 hatten sie meistens schon 2 Kinder daheim. Viele Mädchen und Frauen haben die Grundschule nur bis zur 5. Klasse besucht, wenige noch die Sekundarstufe bis zur 10. Klasse, nicht mal eine Hand voll das College. Englisch konnte somit beinahe keine der von mir betreuten Frauen, sodass ich mir zügig durch die Hilfe meiner Kollegen auch das Kreißsaal-Chichewa aneignete. Dadurch war ich ziemlich schnell unabhängig im Arbeiten und brauchte meine Kollegen nur selten als Übersetzungshilfe.
Ich spürte schnell, dass ich eine ganz andere Arbeitsweise mit den Frauen hatte, mir jede zu betreuende Frau unter Wehen schnell ans Herz gewachsen ist und ich sie intensiv betreuen wollte. Das bemerkten auch meine malawischen Kollegen, änderten ihre eigene Arbeitsweise jedoch bis zum Ende meines Einsatzes nicht. Die standardisierte „this is not the malawian way“-Ausrede ist auf einer Seite verständlich, doch sagt auch, das  es viel Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen braucht, um kleine Schritte vorwärts zu wagen. Der Kreißsaal und auch die sonstigen Stationen des St. Gabriel`s Hospital in Namitete laufen dank der immer wieder vor Ort lebenden und arbeitenden deutschen Ärzte auf einem vergleichsweise guten Level. Ist man jedoch mit deutschen Gesundheitswesen vertraut, liegen noch Welten dazwischen – natürlich auch, wegen den teilweise wenigen gegebenen Mitteln und Möglichkeiten. 

Diese Frau durfte ich in meiner 2. Arbeitswoche total allein entbinden - 
meine Kollegen waren gerade alle auf einem "Meeting" versammelt.
Spätestens ab der zweiten Woche durfte ich selbstständig Geburten leiten. Dabei verhielt ich mich gerade
am Ende der Geburt besonders leise hinter dem Vorhang, damit sich nicht wie gewöhnlich 5 Menschen um das Bett der Frau versammelten, auf sie einschrien, mir das Wort aus dem Mund nahmen, die Frau womöglich noch schlugen und sie in die Rückenlage drängten und völlig verunsicherten und verschüchterten, was die Situation dann nur noch schlimmer machte. So gelang es mir schlussendlich etwa 30 Mal, der Frau ein weitestgehend angenehmes und würdiges Geburtserlebnis zu bescheren. Wenige Male hatte ich es auch geschafft, die Frau in Seitenlage entbinden zu lassen – zum Erstaunen aller meiner malawischen Kollegen! Dazu musste ich mich meist sehr scharf und lautstark durchsetzen, doch nachdem das Kind für die Malawier unerwartet schnell zur Welt kam, erntete ich sogar von einigen Applaus. Das ist in keinster Weise das Ziel meiner Mission, vielmehr wollte ich sie zum Umdenken bewegen. Doch dazu braucht es wohl auch in Zukunft noch viele solcher kleinen Erfolgserlebnisse und Schulungen…

Schlussendlich muss ich sagen, dass mir Malawi und meine Freunde und Bekannten in diesem bitterarmen Land noch mehr ans Herz gewachsen sind und ich versprochen habe, aktiv zu bleiben und mein Engagement fortzusetzen. Nicht nur im Rahmen der Schulpatenschaft für Waisenkinder, durch welche ich das Zwillingspärchen Andrew und Alexander finanziell unterstütze, sondern auch für die Schule in Madisi und das Krankenhaus in Namitete. Das ist mir eine Herzensangelegenheit geworden! Auch eine Rückkehr in die „zweite Heimat“ steht für Marko und mich fest  im Zukunftsplan verankert.
Ich hoffe, Ihr Vertrauen, Interesse und offenes Ohr  auch weiterhin für meine Arbeit und malawische Mission zu finden und danke Ihnen allen nochmals für das bereits Erreichte! Ohne Sie wäre nicht so viel möglich! Zikomo kwambiri.

Ihre/Eure christina

In der großen Krankenhausküche, in der die Angehörigen für ihre Patienten kochen, ist immer eine Menge los - und wie überall sind auch dort eine Menge Kinder zu finden, wie die kleine Prisca.





Freitag, 7. Oktober 2016

Als Hebamme zurück nach Malawi



Christina Polk aus Wittichenau fliegt wieder in ein Land, in dem sie viel lernen durfte. Nun will sie etwas zurückgeben.

Von Hagen Linke (erschienen in der Sächsischen Zeitung, Regionalteil Hoyerswerda am 06.10.2016)
Eine warme Dusche und fließend Wasser aus der Leitung ist hierzulande selbstverständlich. „Ich schätze das aber mehr als früher“, sagt Christina Polk. Die 23-Jährige aus dem Wittichenauer Ortsteil Keula hat schon ganz anderes kennengelernt. Vor gut vier Jahren startete sie als Missionarin auf Zeit zu einem einjährigen Aufenthalt nach Malawi im südlichen Afrika. Nach dem Abitur am Hoyerswerdaer Lessinggymnasium hatte sie in einem Dorf nicht nur in einer katholischen Grundschule und bei einem Waisenprojekt geholfen. Die junge Frau absolvierte auch mehrere Praktika auf der Entbindungsstation des örtlichen Krankenhauses. In mehreren TAGEBLATT-Artikeln hatte sie aus Afrika berichtet. Schon damals stand ihr Berufswunsch fest. Zurück in Deutschland hat Christina Polk nun vor ein paar Wochen ihre dreijährige Ausbildung zur Hebamme an der Uniklinik und dem St.-Joseph-Stift in Dresden abgeschlossen und arbeitet auf der Entbindungsstation des Stifts. Die Entscheidung für die Geburtshilfe war genau richtig, sagt sie. „Es macht Spaß und Freude, wenn man werdene Eltern auf diesem Wege begleiten kann.“
In Afrika hat sie bereits gelernt, dass Entbindungen ganz anders ablaufen. Grundsätzlich bewältigen die Frauen die Geburt alleine. Einen Wehenschreiber gibt es ebenso wenig, wie verstellbare Betten. Babys werden lediglich gewogen, die Größe spielt keine Rolle. Ganz zu schweigen davon, dass jemand filmt oder fotografiert. Kinderkriegen ist anders als in Deutschland kein „Ereignis“.

Einsatz in größerem Krankenhaus

Es war ein wunderbares und faszinierendes Jahr in Malawi. Christina Polk hat Freundschaften geschlossen, einem Zwillingsmädchen ihren Namen geben dürfen und schickt zu Ostern oder Weihnachten kleine Geschenke und Fotos. Mit dem Wunsch nach Malawi zurückzukehren, hat sie ihre Hebammenausbildung in Dresden begonnen. Im Januar ist es nun so weit. Christina Polk hat die Empfehlung bekommen, in einem größeren Krankenhaus zu arbeiten. Das St. Gabriel’s Hospital befindet sich in Namitete, etwa 60 Kilometer entfernt von Malawis Hauptstadt Lilongwe. Dank vielfältiger Unterstützung hat es sich von einem kleinen Buschspital in ein für afrikanische Verhältnisse sehr modernes Haus entwickelt. Nach dem Jahreswechsel wird die Wittichenauerin wieder nach Afrika fliegen. Die Ausgangsposition im Vergleich zu 2012 hat sich geändert. „Damals habe ich meinen Vorstellungen und Erwartungen an mich selbst nach, nicht ausreichend helfen können“ , blickt die Hebamme zurück. „Ich habe aber sehr viel von den Menschen gelernt. Ich möchte jetzt ein Stückchen zurückgeben.“


In meinem Heimatdorf Keula genieße ich gern
die freien Tage ohne Dienst im Kreißsaal
und tanke bei meiner Familie wieder auf. 
Um zwei Monate in Afrika arbeiten zu können, absolviert die Wittichenauerin jetzt besonders viele Dienste in Dresden, auch zu Weihnachten. Sie ist froh, dass das St-Joseph-Stift sie bei dem Auslandsprojekt unterstützt. Arbeiten wird sie in Namitete montags bis samstags, wohnen im Gästehaus der Klinik. Christina Polk fühlt sich ähnlich wie vor dem ersten Abflug. „Ich bin gespannt, wie mich die Leute aufnehmen.“ Und natürlich will sie Madisi besuchen – das Dorf, das für ein Jahr ihr zuhause war. Getragen wird das Hilfsprojekt dort von der katholischen Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Salzkotten. Christina Polk möchte nun auch an den Stationen ihres ersten Afrika-Aufenthaltes vorbeischauen.

Wie auch schon zu ihrem Einsatz 2012/2013 ist sie auch jetzt wieder bestrebt, möglichst viele Spendengelder mit nach Malawi zu nehmen – für die St. Francis Catholic Primary School in Madisi und das Weiterleben des Projektes der Franziskanerinnen von Salzkotten. Für das Leuchten in den Augen derer, die jeden Tag nur mit dem Nötigsten leben müssen. Für das glückliche Lachen der Kinder, die trotz Armut eine große Zufriedenheit ausstrahlen. Für die Mittel, die zum Bewältigen des Schulalltags notwendig sind: Bücher, Hefte, Schreibmaterialen, Mais- und Sojabrei für das Frühstück und Mittagessen, verschiedene Medikamente für die Krankenstation der Schule, Schulgebühren für die Waisenkinder und noch mehr. „Jeder Euro hilft“, weiß die Wittichenauerin. „In dem bitterarmen Land noch viel mehr als man hier im reichen Europa glaubt“. Erst am Wochenende erfuhr Christina Polk, dass eine der Franziskanerinnen ausgeraubt worden ist. Unter anderem hatte sie die Gehälter der Schulmitarbeiter und das Schulgeld für die Waisenkinder dabei.

Christina Polk versichert auch: Alle Spenden kommen zu 100% im Projekt an, da sie nicht erst über Dritte, sondern mit ihr auf die Reise gehen.

Mittwoch, 14. September 2016

Bald geht es wieder los ......

Endlich ist es so weit - ich fliege bald erneut in mein geliebtes Malawi, an dem auch nach drei Jahren mein Herz und meine Gedanken noch Tag für Tag hängen! 


Nun, da ich mein Examen als Hebamme erfolgreich abgeschlossen habe und noch für 4 Monate im Kreißsaal meines Krankenhauses arbeite und Erfahrungen sammle, rückt das erneute Abflugdatum immer näher - und die Vorfreude steigt ins Unermessliche! So lange habe ich auf diesen Moment gewartet! Immer wusste ich jedoch, dass mir den Traum, als Hebamme auch in Malawi meine Erfahrungen zu sammeln, nach meiner Ausbildung erfüllen werde.

Nicht mehr lange und dann steige ich am 02. Januar 2017 wieder in den Flieger Richtung Süd-Ost-Afrika und entfliehe für 2 Monate dem deutschen Winter.

Dort werde ich als Hebamme im Namitete Mission Hospital in Namitete, etwa 80 km von der Hauptstadt Lilongwe entfernt (Richtung sambische Grenze) im Kreißsaal arbeiten. Das Spital hat jährlich ca. 3500 Geburten, sodass ich sicher viel erleben werde!

Nähere Informationen zu meiner Arbeit und meiner Spenden-Aktion vor dem Einsatz gibt es in nicht allzu ferner Zukunft wieder und auch in der Sächsischen Zeitung ist ein Artikel bereits geplant.
Es bleibt also spannend! :-)

>>> Natürlich werde ich auch meine Freunde und all die Menschen, die ich während meines Jahre in Malawi lieb gewonnen habe, besuchen - auch meine frühere Arbeitsstelle, die St. Francis Grundschule der Franziskanerinnen von Salzkotten! Wer wieder bereit ist, das Projekt der Schwestern finanziell zu unterstützen, ist herzlich willkommen, sich bei mir per E-Mail (christinapolk@gmx.de) oder privat zu melden. Ich möchte möglichst viele Spenden auf direktem Weg in das Projekt mitnehmen und die Kinder und Lehrer damit unterstützen!
Vielen herzlichen Dank bereits im Voraus! <<<


Herzlichst grüßt Eure/Ihre
christina

Freitag, 6. Dezember 2013

Aktions-Tag, Benefizkonzert, Vorträge und Termine

Liebe Leser meines Blogs,
lubi čitarjo mojeje internetoweje stronje!

Im letzten Monat hatte ich wieder einige Gelegenheiten, meine Erlebnisse in Malawi einigen Menschen hier in Deutschland näher zu bringen, mich mit Kindern zu dem Thema auseinandersetzen und somit auch etwas für das Waisenprojekt der Franziskanerinnen von Salzkotten zu tun.

Mein allergrößter Dank gilt dabei an erster Stelle Euch und Ihnen allen, die Ihr mit Euren fantastischen Spenden mithelft, dass dieses Schulprojekt noch lange erhalten und fortgeführt werden kann. Dass die dort lebenden Schwestern noch vielen Waisenkindern einen so wichtigen Schulbesuch ermöglichen können und sie mit den nötigsten Dingen des Lebens (Schulmaterialien, täglich warmes Essen, Vermittlung christlicher Werte, Liebe und Geborgenheit, …) versorgen können. Viele erfahren bzw. erhalten diese Dinge zu Hause oft nicht so, wie wir es hier in Deutschland gewohnt sind. Ein „Schulranzen“ ist dort in den meisten Fällen eine leere Zuckertüte oder bestenfalls ein selbst gehäkelter Beutel. Eine Federmappe für Stifte lohnt sich bei einem Bleistift, einem Kugelschreiber und einem Lineal gar nicht erst und meist müssen auch zwei Schulhefte für bis zu 9 Fächer ausreichen. Luxuswaren wie Radiergummi, Buntstifte, 15 verschiedene Hefter und Schreibblöcke ohne Ende kennen die Kinder nicht und bekommen große Augen, wenn man ihnen einen Luftballon schenkt! … Ihr seht also, was man alles mit kleinen Spenden bewirken kann. Es ist wirklich nichts umsonst und selbst kleine Dinge können in Malawi riesengroße Freude hervorrufen - gerade dort, wo man es am wenigsten erwartet.




Nun zu meinen letzten Malawi-Berichten:
Am Samstag, den 23.11.2013, durfte ich zum Aktionstag der Sternsinger 2014 eine Station für die Kinder vorbereiten und da das diesjährige Beispielland passenderweise Malawi ist, konnte ich ihnen also aus erste Hand berichten. Ich habe ihnen verschiedene Dinge, wie Geld, Chitenje, ein Gesangbuch oder eine Trommel aus Malawi mitgebracht und sie waren richtig begeistert so hautnah von diesem bisher fremden Land zu hören. Einigen Mädchen schnürte ich einmal eine Puppe in einer Chitenje auf den Rücken, so hatten sie ein Gefühl dafür, wie Babys in Malawi traditionell getragen werden.

Auch einige Wörter Chichewa brachte ich ihnen bei, die sie zum Schluss noch einmal wiederholen durften. Das Ende des Tages bildete das leckere und selbst gekochte Mittagessen, natürlich auch typisch malawisch. Es gab süßen phala. Der aus Maismehl und Wasser gemischte, mit Honig gesüßte und mit Zimt gewürzte Brei erinnerte die Kinder an den deutschen Grießbrei und schmeckte allen richtig lecker. Wie auch der malawische Bananenkuchen, den sie sogar selbst gebacken haben.
Es war wirklich ein toller Tag, sowohl für die Kinder, als auch für mich.

Am darauffolgenden Tag, dem Christkönigssonntag, fuhr ich nach am Nachmittag nach Crostwitz. Dort sang zur traditionellen Jugendandacht der sorbischen Dekanatsjugend der deutsche Jugendchor „Effata“ aus Wittichenau. Zu ihrem ersten Konzert im November in Wittichenau sammelten sie für ein brasilianisches Jugendprojekt, welches sie zum Weltjugendtag 2013 besuchten und kennen lernten. Da eine große Menge an Spenden zusammenkam, entschieden sich die Mitglieder des Chores, dass es auch toll wäre, noch ein anderes soziales Projekt zu unterstützen. Gesagt, getan. Sie kontaktierten mich und fragten nach, ob sie den Erlös des Konzertes der „St. Francis Catholic Primary School“ in Madisi widmen können. Nun könnt Ihr euch vielleicht vorstellen, dass bei mir die Freude größer nicht hätte sein können und ich natürlich gleich zustimmte. So kam auch zu dieser Andacht wieder eine große Summe Geld zusammen, was mich, die Chorleiterin, aber auch ganz besonders die Schwestern in Salzkotten und Madisi freut! Denn jeder einzelne cent geht in mein Projekt und nicht irgendwo unterwegs verloren…

Und dir dritte Gelegenheit über meine Erlebnisse des letzten Jahres zu berichten bot sich mit am vergangenen Sonntag, dem 1. Advent.  An diesem Tag fand in Ralbitz die sorbische Senioren-Adventsfeier der Gemeinde statt und nachdem der Ralbitzer Kirchenchor „Lilija“ gesungen hat, einige Instrumentalstücke eingespielt wurden und es bei Kaffee und Stollen gemütlich wurde, durfte auch ich Bilder aus dem fernen Afrika zeigen, mitgebrachte Stoffe, Bücher, typisches Geld etc. vorstellen und interessierte Fragen beantworten. es freute mich ganz besonders, dass ich den ganzen Vortrag auf sorbisch halten durfte und somit auch das erste Mal in meiner Muttersprache über das Jahr, mein Projekt, die Schwestern und das Land reden konnte. Auch hier gilt allen, die ihre Spende in die Holzschale gaben, ein herzliches  Dankeschön - Wutrobny Dźak - Zikomo kwambiri!




Pokiw za młodźinu: Na soboty predy 3. adwentnej njedźeli, potajkim 14. decembra 2013, směm wam w Chrósćicach po kompleće wo Malawi rozprawić. Wjeselu so hižo na was a waš zajim.  Budźe wězo rjany wječor…

Im Januar 2014 darf ich dann noch einmal einen Abend dem wittichenauer Mütterkreis Gesellschaft leisten, sowie an einem anderen Termin den deutschen Senioren von meinem Erfahrungen berichten. Auch das werden sicher spannende Erlebnisse und Stunden.

A sobotu, 01. měrca 2014, sym přeprošena do Chrósćic do putnisku hospodu knejni Gerdesowej, hdźež směm tohorunja wo Malawi rećeć, wobrazy a druhe dopomjenki pokazać a snano kónčk afriskej kultury tu do Łužicy přinjesć…štó wě? J

Wjeselu so potajkim na was wšěch!

Waša/Eure
christina.

Freitag, 8. November 2013

Impuls

Jeder, der einmal weiter schauen und seinen doch so selbstverständlichen deutschen Alltag etwas durchdenken möchte ...

SEI DANKBAR

...kennst du das Gefühl unter der Dusche zu stehen, das Licht geht aus und du siehst nichts mehr?

...kennst du die Freude über ein Stück Schokolade?

...nimmst du Menschen noch wahr, wenn du ihnen begegnest?

...bist du ein Warmduscher?

...hat es dich fasziniert, wie schnell diese Internetseite geladen war?

...wie entscheidest du dich an einer so breiten Auswahl (an Duschgel, Nudeln etc.)?

...drei Stunden warten ist eigentlich kein Problem. Du ärgerst dich über drei Minuten?

...wie oft wirst du nach Geld gefragt?

...kochst du dein Wasser ab?

...wie oft schenkst du ein Lächeln?

...isst du wenn du Hunger hast, oder wenn du Strom hast?

...weißt du, wie es ist, wenn dich keiner versteht?

BIST DU DANKBAR?



Vortrag sorbische Senioren und Dorfbewohner Keula

Eine willkommene Abwechslung zum deutschen Alltag sind für mich immer wieder jede Art von Vortrag oder Gespräch über mein Jahr in Malawi, von denen ich bereits zwei halten durfte. So habe ich die Möglichkeit, einmal ausführlich über meine Erlebnisse in Bild und Ton zu berichten und meine Zuhörer ein wenig für die faszinierende malawisch-afrikanische Lebensweise zu sensibilisieren und zu begeistern.



Der erste dieser Vorträge stand noch vor meinem Ausbildungsbeginn, noch nicht einmal drei Wochen nach meiner Rückkehr auf dem Programm. Am 30. August 2013 durfte ich bei den sorbischen Senioren in Wittichenau referieren und ihnen meine Erfahrungen und Erlebnisse näher bringen. Alle waren wie gebannt und staunten über die malawische Unkompliziertheit in Bezug auf viele Dinge des Alltags oder über die vielen lachenden Kindergesichter, hinter deren Fassade oftmals schwere Schicksale steckten. Da die meisten der Senioren und auch ich nach ca. 1 Stunde wieder los mussten, wurden die letzten Bilder etwas im „Eilverfahren“ abgespielt. Dennoch hat es allen gefallen und ich bekam viel positive Kritik.

Meinen zweiten Vortrag organisierte ich für mein Heimatdorf Keula. Dieser fand gut zwei Monate später, am 31. Oktober 2013, in der „Arche“ statt. Kurz nach 17 Uhr war der Raum mit über 50 Personen dicht gefüllt, beinahe jeder Stuhl war besetzt. So konnten wir starten und wieder hörten alle aufmerksam zu, schauten gespannt auf die Bilder - und sogar die Videos funktionierten diesmal in bester Qualität, sodass ein  noch viel lebendigerer Eindruck vom malawischen Leben entstand. Zum Beispiel vom Gabentanz aus dem Sonntagsgottesdienst, von einem bekannten deutschen Kinderlied auf Chichewa oder traditionell malawischen Tänzen…
Auch Erdnussmehl, die typischen Chitenje-Stoffe oder malawische Kwacha-Scheine habe ich zur Anschauunung mitbringen können.

Da diesmal alle genügend Zeit mitgebracht haben, blieb nach gut einer Stunde Vortrag auch noch Gelegenheit, um Fragen zu beantworten, was auch oft während der Präsentation bereits geschah. Ich war erstaunt, welche teilweise komplexen Fragen aufkamen und wie groß das Interesse zu sein schien. Als zum Schluss noch einmal eine große Menge Geld in der Spendenschale aus Malawi zusammen kam, war ich völlig überwältigt und ich freue mich bereits jetzt, es -direkt für Madisi bestimmt- den Schwestern senden zu können, damit sie auch weiterhin „ihren“ Waisenkindern Gutes tun und eine Chance auf Bildung ermöglichen können.

Vielen herzlichen Dank dafür und für die ersten wunderbaren Gelegenheiten, Ihnen/Euch meine Erlebnisse zu schildern. Ich hoffe, es geht noch weiter…


christina

Das war Malawi - zurück in Deutschland


Tja, so schnell vergeht die Zeit und schon ist ein Jahr wieder rum. ‚Wo ist die Zeit nur hin?,‘ fragte ich mich besonders ab dem 11. August 2013 immer wieder, als ich plötzlich am Frankfurter Flughafen landete, den Gepäckwagen malawisch übervoll stapelte, sodass sich alle umstehenden Deutschen zu wundern begannen, im Zug nach Dresden von meckernden deutschen Rentnern ganz schnell auf den Boden der Tatsachen gebracht wurde und gleich am ersten Abend noch meine ganze bucklige Verwandtschaft begrüßen durfte. Völlig unfassbar war für mich die doch sehr ungewohnt weiße Haut und dazu noch die zarten blonden Haare meiner inzwischen 1-jährigen Patentochter! Unglaublich, aber seit einem Jahr habe ich -bis auf Fotos- kein einziges weißes Kind mehr zu Gesicht bekommen…

...typisch malawisch...

Good bye Africa. Amoyo salekana, Malawi!

Das ist nun bald schon wieder erstaunliche 3(!) Monate her und seit dem hat sich einiges verändert. Zum Beispiel habe ich Anfang September, also drei Wochen nach meiner „Bruchlandung“ inklusive Kulturschock in Deutschland, meine Ausbildung zur Hebamme begonnen und bin dafür nach Dresden gezogen. Die Ausbildung ist fantastisch, interessant, macht großen Spaß und genau das Richtige für mich - und dennoch sind meine Gedanken noch jeden Tag auf dem anderen Kontinent, in dem Land, in dem ich mein Herz verloren habe…

Viele Menschen hier in Deutschland wollten mir nicht glauben, dass ich eigentlich gar nicht nach Hause wollte und Malawi nun so vermisse. Doch mir fehlen wirklich die simplen Dinge, das einfach Leben, an welches ich mich schneller gewöhnen konnte, als an all den Überfluss und Luxus hier in der Heimat. Auch einen Freundeskreis galt es wieder neu aufzubauen….vieles hat sich doch verflüchtigt oder muss in der neuen Stadt erst einmal neu erschaffen werden. Klar, bin ich dankbar und glücklich über den täglichen Strom, über 24-Stunden warmes Wasser aus der Leitung, über Wasser, welches ich nicht mehr abzukochen und keimfrei zu machen brauche, über die Tafel Schokolade, die nicht mehr überteuert und ganz selten im Laden zu finden ist, über meine geliebten Weintrauben, auf die ich aber erstaunlicherweise auch ein ganzes Jahr verzichten konnte….Keine Frage, das Leben hier in Deutschland ist um einiges leichter, als das in Malawi. Man muss sich irgendwie um weniger Dinge Sorgen machen in seinem Alltag.
Doch ich vermisse auch die eis-kalten Duschen am Morgen (aufgrund der sowieso schon niedrigen Temperaturen hier in Deutschland schaffe ich es nicht mehr eis-kalt, bemühe mich jedoch, wenigstens das kalt beizubehalten. Mir fehlen diese eine einzige Sorte Spagetti im Laden, dass auch einmal etwas Grundlegendes AUSverkauft und nicht mehr erhältlich ist oder dass alle immer und überall zu spät kommen und sehr spontan bei Verabredungen sind. Ich vermisse den mal nur tropfende Wasserhahn, die staubigen Straßen, den recht ungemütlichen Betonfußboden - und die beinahe immer scheinende afrikanische Sonne.  Aber ganz besonders fehlen mir die vielen Kinder, welche an jeder Straßenecke zu finden waren, auf dem Dorfplatz spielten oder einfach auf dem Markt allein herumliefen, egal, wie alt sie waren. Mir fehlen diese glücklichen und zufriedenen Kinderaugen, welche mich anstrahlten, wenn sie einen Ball zu sehen bekamen oder wenn man ihnen mehr Aufmerksamkeit schenkte, als sie gewohnt waren.


Am letzten Morgen in Madisi an der Hauptstraße. Ein vollbeladener Pick-up mit singenden Malawiern drauf. Herrlich, diese Lebensfreude.

Und ich bekomme oftmals ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, dass ich nun mit nur einem einfachen Flugticket ganz „unkompliziert“ und schnell wieder die Seiten „wechseln“ und in meine „alte Heimat“ zurückkehren konnte, sich jedoch für alle meine Freunde und für alle Menschen, die mir in Malawi begegnet sind, nichts Grundlegendes ändern wird.

Was jedoch hoffentlich in den Köpfen und Herzen meiner Freunde und Bekannten verankert bleibt, ist der Fakt, dass es nicht nur Weiße gibt, die in das Land kommen und sich selbst bereichern, sondern dass es auch solche gibt, die zu helfen versuchen. Solche, die den Menschen nicht irgendeine fremde Kultur aufzwingen, sondern versuchen die Weiße und die Afrikanische in einem gewissen Maße zu vereinen.
Schlussfolgernd kann ich sagen, dass mich dieses Jahr und alle Erfahrungen, die ich machen durfte, persönlich doch sehr verändert haben. Immer öfter wird mir nun bewusst, wie gut wir hier in Deutschland eigentlich leben und mit welchen Möglichkeiten wir gesegnet sind. 
Die Frage, ob sich dieser Freiwilligendienst für mich gelohnt hat, kann ich ganz klar mit „Ja“ beantworten, wenngleich ich mir in der einen oder anderen Situation denke, dass ohne diesen Weitblick, den ich nun automatisch habe, vielleicht vieles auch leichter wäre. Doch ohne Malawi würde mir etwas sehr Wichtiges fehlen und die Sehnsucht wäre wahrscheinlich noch größer (…obwohl ich mich gerade frage, ob das überhaupt geht J).



Da ich meinen Blog nicht einfach so abrupt aufgeben möchte und Ihr vielleicht auch noch weiter etwas lesen möchtet, würde ich gern in den nächsten Artikeln von den tollen Vortragen berichten, die ich hier erleben werde. 

Vorerst möchte ich mich allerdings ganz herzlich bei Euch allen bedanken, für Eure Aufmerksamkeit beim Lesen der bisherigen Einträge und für alle Unterstützung und positive Rückmeldung, welche ich während meines Jahre und nun, nach meiner Rückkehr von so vielen bekommen habe! Es ist einfach unglaublich, doch so viele begeistern zu können - und sei es für einen Abend, einen Bildervortrag, einen Zeitungsartikel.... 

Herzlichen Dank - Zikomo kwambiri!

khili

Samstag, 13. Juli 2013

Erlebnisse 


Nachdem ich mich am Donnerstag von meinen Kindern in der Schule verabschieden musste und am gestrigen Freitag am Cloing-Day endgültig alle in die Ferien entlassen wurden, durfte ich heute wieder einen wunderbaren Tag hier in Malawi verleben und habe gleich drei meiner noch abzuarbeitenden Ziele "geschafft". 

Zuerst machte ich morgens gegen 9Uhr mit einer Cabasa, etwa 45 Minuten landeinwärts nach Photola, einem kleinen Dorf nahe Madisi, um dort meine kleinen Zwillinge wie versprochen wieder zu sehen. Die Fahrt war etwas abenteuerlich, da ich allein war und mein Fahrer einfach mal eine Abkürzung durch den Busch nahm. Dort befand sich auf halber Strecke eine kleine Wasserstelle, über die einige Baumstämme gelegt waren. So nahm der Cabasafahrer also sein Fahrrad in die Hand uns wir balancierten über den kleinen Fluss.

Die stolzen Eltern, ihre beiden Wonneproppen
Christina und Mphatso und ich in Photola.
 
In Photola angekommen wartete schon ein Bekannter  von meinem letzten out-station-Besuch am Markt auf mich, um mich zum Haus "meiner" Familie zu bringen. Dort stand auch schon der stolze und ober-glückliche Papa und nahm mich lachend in Empfang, während die Mama noch das Haus fegte. Dann wurde schnell die Strohmatte wieder in den sonst leeren Raum gelegt und ich wurde hereingebeten, meine Tasche mit einigen kleinen Geschenken nahm mir, nach malawischer Tradition der Papa ab und brachte sie hinein.
Ich wurde freundlich von beiden begrüßt, ehe der Papa noch einmal weg musste und die Mama draußen die Kinder badete und das Mittagessen zubereitete. Das dauerte eine ziemlich lange Zeit, in der immer wieder einmal Menschen aus dem Dorf vorbeikamen, um mich zu begrüßen und die beiden "khilis" zusammen zu sehen. Christina ist von den fünf Kindern der Star in der Familie, da sie meinen Namen trägt. Auch im Dorf ist sie bekannt, und ich natürlich ebenso, seitdem ich am 30.Juni in Photola in der out-station unserer Gemeinde zum Gottesdienst war. Dort lief gleich jemand, als die Messe zu Ende war und Frieda und ich uns vorgestellt hatten, zu Familie Gabriel und erzählte der Mama, dass eine Weiße mit dem Namen ihrer Tochter hier ist. Sie erinnerte sich sofort an mich, nahm eine große Menge Erdnüsse und ein Foto der Beiden mit und kam zu dem Haus, in welchem wir zu Mittag aßen. Dort traf es mich dann wie der Blitz und ich konnte es nicht glaube, dass ich sie hier wirklich wiedersehe! Es war ein unglaubliches Gefühl.
Nach dem heutigen Mittagessen (nsima mit Huhn), gingen wir vor das Haus, wo ein Familienfoto gemacht wurde und ich Christina auf den Rücken gebunden bekam. Was für ein wahrhaft wunderbares Gefühl ist es, sein Kind ganz nah bei sich, in einer Chitenje auf dem Rücken zu tragen und es immer fest bei sich zu wissen! Das erlebte ich heute zum ersten Mal und war so dankbar für diesen Moment, dass ich sie gar nicht mehr abbinden wollt. Das wäre für die Eltern allerdings auch nicht das Problem, schließlich möchten sie gerne, dass ihre Kinder eines Tages Deutschland besuchen - am liebsten mit ihrer "Schwester"  (laut den Eltern bin ich ihr "6. Kind", was mich schon ziemlich stolz macht).

Ein Baby auf malawische Art auf den Rücken zu binden
ist ein wunderbares Gefühl
und absolut wiederholungsbedürftig.
Im Hintergrund ist das Haus der Familie zu sehen,
sowie die stillende Mama mit Zwilling Mphatso.
Nachdem sie mir ihre Telefonnummern aufgeschrieben haben, damit wir in Kontakt bleiben können, schenkten sie mir noch einen viertel Sack mtedza (erdnüsse) und ein nkuku (huhn). Einen ganzen Sack chimanga (mais) sollte ich noch bekommen, aber dagegen musste ich leider protestieren, da ich nur mit einer Cabasa gekommen war und auch nur noch einen Monat hier lebe. Währe es noch ein halbes Jahr, hätte ich den Maissack liebend gern genommen und einfach jeden Tag nsima gekocht :)
Zu Hause angekommen, sah sr. Raynelda gleich das Huhn und bot mir an, es mit ihr gemeinsam zu schlachten. Das ließ ich mir nicht zwei mal sagen und schon gleich holten wir Messer und kochten Wasser. Ich hielt nach ihrer Anweisung das Huhn an Flügeln und Füßen "strong" (sehr fest) und sie schnitt den Hals durch. Plötzlich, als sie den Kopf in der Hand hielt, fing das restliche Huhn an, wie wild hin- und her zu zappeln und sich stark zu bewegen.....da gab es für uns kein Halten mehr und als es dann beim Rupfen auch noch ein Geräusch von sich gab, mussten wir uns vor Lachen den Bauch halten! :) Es machte wirklich Spaß und so haben wir einen Teil des Mittagessens bei den Schwestern am morgigen Sonntag schon einmal hergerichtet.

Meine erreichten Ziele sind also:
1. Meine Zwillinge in  Photola noch einmal wieder zu sehen und welcher Tag wäre besser gewesen, als der, an dem sie genau 7 Monate auf der Welt sind!
2. Ein Kind auf ganz typisch malawische Art und Waise in eine Chitenje gebunden auf dem Rücken zu tragen. Es ist ein so faszinierendes Gefühl, das Kind so nah und fest bei sich zu wissen!
3. Noch einmal selbst ein Huhn zu schlachten und auch zu rupfen, nach dem ich es in meinem Weihnachtsurlaub in Nkhotakota schon einmal mit Frieda gemacht habe. Und ein besseres Huhn hätte es nicht sein könne, als das Geschenk der Familie meiner Zwillinge!

So war es ein wirklich durchaus gelungener und wunderbarer Tag und ich bin froh, dass ich mich getraut habe, allein diesen Ausflug zu machen.


Einige der uns begleitenden Kinder und
ich auf dem Gipfel des Berges Mpale.
 
Außerdem lernte ich unterwegs noch, dass Christina ein sehr malawischer Name ist, da es wirklich viele Frauen und Mädchen mit diesem Namen gibt, da die Menschen sich ihn einfach sehr leicht merken können. Es dauert oft nicht lange und ich bin nicht mehr Christina,sondern nur noch "Khili", was eine sehr süße Abkürzung für das malawische Khilistina ist ♥ Was mein Herz heute wieder einmal aussetzten ließ war, als wir auf dem Rückweg ein Dorf passierten, in welchem der erste out-station-Gottesdienst am 30.Juni war, zu welchem Frieda und ich einen unserer Priester begleiteten. Das bemerkte ich aber erst später, als ich die kleine Kirche wieder erkannte. Vorher sahen wir jedoch Frauen und Mädchen am Dorfbrunnen - und natürlich sahen sie mich - und plötzlich riefen einige Mädchen laut zu mir herüber "Khili!". Ich war zunächst so baff, dass ich selbst meinem Cabsafahrer davon erzählen musste und er herzlich anfing zu lachen. Dann aber wurde mir klar, warum sie meinen Namen kannten, da sie sich nämlich noch an mich in der Kirche erinnerten. Einige Dörfer weiter kam uns ein Junge mit dem Fahrrad entgegen und meinte zu mir "bobo Khili?". Er erinnerte sich noch an mich, da er am Montag mit uns auf den Berg direkt vor seinem Dorf gestiegen ist und wir einen lustigen Nachmittag zusammen hatten.
Diese offene Herzlichkeit der Malawier weiß ich sehr zu schätzen und werde sie in nicht einmal mehr ganz einem Monat sehr vermissen....
Bis dahin genieße ich jedoch noch jeden Tag und jeden Augenblick, den ich hier erleben darf.


Eure khilistina.

Donnerstag, 6. Juni 2013


3. Zwischenbericht, Diakonweihe in Zomba und Fronleichnam


Seit gut drei Wochen schon ist dieser Zwischenbericht nun fällig, jedoch fand ich bisher immer noch schönere und interessantere Dinge, die ich ihm vorschieben konnte. Nun allerdings möchte ich auf das Vergangene schauen und analysieren, warum es immer besser läuft und ich schon gar nicht mehr aus Malawi gehen möchte.
 


Bobab im Liwonde National Park - auf Reisen
mit meiner Familie 
Auf meiner Arbeitsstelle, der „St. Francis Catholic Primary School“ bin ich nun richtig im Beruf der Lehrerin angekommen, auch, wenn so manche Planung der Stunden eine Herausforderung darstellt, oder die Kinder mal wieder nicht so mitarbeiten wie erhofft und ich somit den Stoff anders planen muss. Ganz selten habe ich auch noch das Gefühl, dass mich einige gar nicht verstehen und in jeder der beiden Klassen gibt es jeweils drei bis vier Schüler, die nicht einmal Englisch lesen können. Das frustriert mich im ersten Augenblick immer, jedoch versuche ich, sie so gut wie möglich, mitzuziehen und ihnen auch einmal Extra-Chancen auf eine gute Benotung zu geben. Inzwischen hat sich meine Spontanität im Unterricht so weit ausgeweitet, dass ich auch mal für eine Mathe- oder „Bible Knowledge“-Stunde einspringe, oder schon in Standard 7 „Life Skills“ unterrichtet habe. Das hat mir besonders große Freude gemacht, da die Schüler dort schon ein wenig älter sind und auch mal über eine Frage oder ein Thema diskutieren können, wohingegen meine Kinder in Klasse 5 alles weitestgehend ohne Kommentar hinnehmen - bis auf meine „Schlaumeier“, die manchmal richtig tolle Streitfragen anzetteln und ich mich des Öfteren über sie wundere.
Bisher einmal hatte ich in diesem Term die Gelegenheit zur „morning assembly“ vor der ganzen Schule das „bible reading“, das Morgengebet abzuhalten. Leider rutschte mir hier das malawische „let us play“ anstatt des „let us pray“ heraus, was für ein Schmunzeln in vielen Gesichtern sorgte. J Das malawische „l“ und „r“…
Auch ein tolles Erlebnis der vergangenen Monate waren die MOCK-Examinations der 8.-Klässler, in denen ich als Aufsicht sitzen durfte. So war ich von montags bis mittwochs meist morgens und nachmittags in der Klasse, beantwortete Fragen oder half bei Unleserlichkeiten. Das erinnerte mich an meine zurückliegende Abiturzeit, doch nun hatte ich die Position des Lehrers inne. Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings haben die Schüler bereits ihre Malawi National Examinations in Standard 8 -nach ihrer Grundschulzeit- hinter sich und am letzten Freitag gab es dann auch eine „Graduation“ für sie, mit Mittagessen, Drama, Tanz, Abschiedsgeschenken und Disco. Ich vermisse sie ein wenig, da man sich mit ihnen wirklich gut unterhalten konnte und sie im Kopf einfach schon ein wenig weiter waren. Außerdem war es wieder ein Abschied - das fällt mir jedes Mal schwer und ich mag diese Momente nicht, obwohl natürlich das ganze Leben aus „Willkommen und Abschied“ besteht.

Beim Tanzen von traditionellen Tänzen zeigen
die Kinder immer vollen Eifer und Einsatz. 
Gerade  behandeln wir in „Expressive Arts“ das Thema „traditional dances“ und es bereitet den Kindern so viel Spaß zu Trommelrhythmen zu tanzen und sich wi
e schon von klein auf gelernt zu bewegen. Meist stehe ich einfach nur daneben und schaue es mir einerseits fasziniert andererseits auch befremdet an, da ich solche Bewegungen aus Deutschland überhaupt nicht kenne. Den Kids allerdings kann ich  mit zwei mit in den Unterricht gebrachten Trommeln schon eine Riesenfreude machen -und das finde ich schön. Dass sie ihre Kultur so pflegen und schon im Kleinkindalter die traditionellen Tänze und Gesänge lernen.

Mit meiner Tanzgruppe treffe ich mich seit dem neuen Term immer freitags -und wir haben Zuwachs bekommen. Einige Schülerinnen der 4.Klasse haben sich nun auch getraut und proben mit uns. Manchmal sind die Mädchen ganz schön kleine Zicken, aber dennoch macht es Spaß und wir haben zum letzten Closing-Day, als auch für den deutschen Besuch aus Anlass der Hosteleinweihung Tänze  zum Besten gegeben. Nun proben wir bereits eifrig für den nächsten Closing-Day am 12.Juli, leider mein Letzter. Einen Tanz nahmen  wir sogar auf Video auf und meine Eltern haben es für die Goldene Hochzeit meiner Großeltern mit nach Deutschland genommen. Darüber haben sich die Mädels natürlich sehr gefreut - so war zumindest ein Teil von ihnen in meiner Heimat. Irgendwie verstanden sie das ganz gut und waren mit vollem Eifer dabei.

Eine weitere Neuigkeit der letzten Zeit ist, dass Friederike und ich nun keinen Chichewa-Unterricht mehr nehmen, jedoch immer noch viel in unserem Alltag von der Sprache lernen und uns auch so noch weiterbilden. Besonders im Urlaub mit meinen Eltern oder auch im Unterricht bemerke ich aber schon ganz deutlich, dass ich fähig bin, die Sprache recht fließend zu sprechen und nur mehr Vokabeln lernen muss - wie in allen anderen Sprachen auch. Meine Kinder fragten mich sogar schon, warum ich sie nicht auf Chichewa unterrichte, schließlich wäre ich doch jetzt fähig, ihre Landessprache zu sprechen. Auch einige Lehrer meinten schon scherzhaft, dass ich ab September dann Chichewa in Standard 8 unterrichten werde und einfach nicht mehr zurück gehe. J
Manchmal bringe ich übereifrigen Lehrern oder Schülern auch einige Worte Deutsch bei und freue mich dann immer, wenn ich die eine oder andere Vokabel im Alltag höre.

Zum Chor der Gemeinde gehe ich noch ab und zu -wie es die Zeit erlaubt, denn oftmals ist mir der Gang zu Freunden oder das Volleyballspiel, einfach wichtiger und ich habe dabei mehr das Gefühl, dass ich mitLEBE. Trotzdem hatte ich dank des Chores ein wunderschönes und für mich wirklich unvergessliches Osterfest, da wir in der Osternacht singen durften. Das machte die gesamte Osternacht zu etwas Besonderem für mich, ich erlebte alles hautnah mit - in der ersten Reihe. Als der Gottesdienst beendet war, gab es noch eine Zugabe und viele Menschen gingen singend oder tanzend aus der Kirche. Sogar im Ort hörte ich später noch Mädchen Lieder unseres Chores singen. Was für eine Nacht!  Ich denke, ohne den Chor wäre es nur halb so schön und intensiv geworden. Ich genoss allerdings auch den Gründonnerstag, an dem ich noch ins Krankenhaus arbeiten ging und den anstrengenden Karfreitag, an dem ich mich zu einem 10km-langen „Gewaltmarsch“ in der afrikanischen Hitze aufmachte. Nicht einmal die für mich typischen sorbischen Gesänge und die zum Osterfest einfach dazugehörenden Osterreiter aus meiner Heimat vermisste ich am Sonntag, sondern genoss einfach, dieses Fest einmal ganz anders zu feiern. Ich kann sagen, das diesjährige Osterfest war für mich eines der faszinierendsten und intensivsten, welches ich bisher erlebte und es wird mir womöglich noch lange in Erinnerung bleiben.

Nach noch gut einer Woche Arbeit im Krankenhaus, in dem auf der Entbindungsstation wieder recht wenig los war, ich jedoch auch im Labor noch viel dazulernen konnte, war nach Ostern endlich der Tag gekommen, an dem ich meine Familie am Flughafen in Lilongwe wiedersehen konnte. Vom 6. bis 24.April besuchten mich meine Eltern und Geschwister hier in Malaw
i, lernten mit mir Land und Leute kennen und erlebten meine neue Heimat hautnah. Wir verzichteten auf Taxis oder teure Mietwagen und fuhren richtig typisch malawisch im überfüllten Mini- oder Bigbus von Ort zu Ort, bewunderten die Landschaft und schmunzelten über so manche typisch malawische Gewohnheit. Zu Beginn der Reise bemerkte ich etwas an mir, dass mir so noch nie wirklich bewusst geworden ist. Zwar war ich immer sehr froh, wenn ich von einer Reise oder einem Wochenende wieder in Madisi angekommen bin. Doch diesmal wollte ich gar nicht weg von hier und musste beinahe weinen, da ich schon vor dem Wegfahren Heimweh nach meinem Zuhause hier hatte! Deshalb fand ich es auch eine  schöne Geste, dass mich ganz viele Kinder unserer Schule begleiteten und als sie meinten, ich ginge nach Deutschland, versicherte ich ihnen auf Chichewa, dass ich ganz sicher wiederkomme und nicht weg gehe. Nach der Reise war ich schon ein wenig stolz auf mich, da ich alles selbst (malawisch spontan) geplant habe (obwohl mir vorher schon ein wenig Bange war), es allen wirklich sehr gefiel und wir sehr viel in recht kurzer Zeit gesehen haben.
Besonders in dieser Zeit, als meine „deutsche Welt“ wieder auf mich zukam, bemerkte ich wirklich Veränderungen an mir und konnte anfangs die zwei in mir entstandenen Welten nicht vereinen…Ich habe gelernt, mit sehr wenig im Leben auszukommen und mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Strom- oder Wasserausfälle gehören nun schon zu meinem Allt
ag dazu und verwundern mich keineswegs mehr. Doch besonders fühlte ich durch den Besuch meiner Eltern die neue Selbstständigkeit etwas eingeschränkt, da ich nun plötzlich wieder aktiv die Rolle des Kindes in der Familie einnahm. So bemerkte ich, wie viel mir daran liegt, selbstständig zu entscheiden und zu leben, eben den Alltag allein zu meistern, wie ich es seit August letzten Jahres tun konnte.

Wenn ich nicht gerade im Chor singe oder auf dem Volleyballfeld zugegen bin, gehen Frieda und ich in unserer Freizeit meist gegen Abend noch zum Trading Center und besuchen Freunde daheim oder erledigen noch schnell Einkäufe. Es kommt auch vor, dass uns Bekannte auf der Straße sehen und einfach zum Abendessen einladen. Natürlich freut uns das, da wir nsima wirklich mögen und es diesen in Deutschland nicht gibt. Oft spiele ich auch an freien Tagen oder wenn ich am Wochenende zu Hause bin (was in nächster Zeit leider nicht mehr so häufig vorkommen wird) mit einigen Kindern aus dem Dorf auf der Weise vor dem Krankenhaus lustige Spiele. Ich bringe dann immer Ball, Flummi, Springseil und Frisbeescheibe mit und schon können bis zu 20 Kinder von 2 bis 13 Jahren langzeitig beschäftigt werden. J Wenn die Kinder wissen, dass ich daheim bin und sie sich gemerkt haben, dass ich ihnen 16Uhr zum Spielen zusagte, kommen sie auch schon mal um 14Uhr an unser Tor und klopfen und rufen lauthals „teacher“, sodass ich gar nicht anders kann, als den kleinen süßen schwarzen, durch den Zaun lugenden Gesichtern nachzugeben und ihnen ihren Spielewunsch zu erfüllen.

Maispuhlen: einfach hinsetzen und
 Körner vom Kolben trennen kann sehr viel Spaß machen 
Zur Maiserntezeit habe ich oft in der Schule beim Maispuhlen geholfen, mich in den Freistunden und Pausen oder am Nachmittag mit Kindern hingesetzt und den Frauen damit etwas Arbeit abgenommen. Die ersten Blasen an den Fingern waren natürlich auch recht schnell eingefangen und dennoch befolgte ich einfach, was Malawier machen: einen Tag Pause und dann ging es weiter. An einem freien Dienstag suchte ich nachmittags sogar freiwillig bei Freunden nach dieser Tätigkeit -und wurde fündig. Bei einer Lehrerin saßen wir etwa 1 Stunde und puhlten einen ganzen Berg Mais zusammen.
Derzeit werden aber auch Erdnüsse und Soja geerntet und leider bin ich schon süchtig nach den Nüssen, sodass ständig Vorrat im Haus sein muss. Zur Zeit unserer Reise wurden sie überall noch gekocht und in der Schale angeboten, wodurch ich die meiste Zeit auf langen Fahrten Erdnuss-puhlend im Bigbus saß und die Schalen natürlich ganz malawisch fallen ließ. Noch besser schmecken sie allerdings, wenn man sie bereits geschält einkauft und sich dann röstet. Das bringt einfach den richtig malawischen Geschmack und da unser Ofen nicht mehr funktioniert, werden sie auch noch auf traditionelle Art und Weise über Kohlen auf einem Kuchenblech in etwas langwieriger und doch richtig entspannter Prozedur geröstet und man kann schließend gar nicht genug bekommen.

Gerufen werde ich auf einem normalen Weg zum Markt beinahe an jeder Ecke, wo  sich ein Kind dahinter versteckt mit „teacher“, „sister“ und, was mich besonders freut „Christina“! Den Namen konnten zuerst meine Schüler, die ihn dann wahrscheinlich ihren kleineren Geschwistern beibrachten und selbst Kinder, welche nicht in meine Klasse oder gar auf unsere Schule gehen, wissen ihn nun. Das macht mich immer besonders glücklich und doch ist „Aaaaazungu“ immer noch die beste Alarmglocke, wenn man gerade mal nicht auf den Beruf oder Namen der Weißen kommt. J Dann weiß auch die umliegende Nachbarschaft Bescheid. 

Eine Veränderung: Endlich gibt es in Madisi wieder zwei Fahrräder für die MaZ’ler. Ich habe nach dem Besuch meiner Eltern ein Fahrrad in Mponela gekauft und mit dem Minibus nach Madisi transportieren lassen, was kein leichtes aber ein malawisch lösbares Unterfangen war. So unternehmen wir jetzt häufig abends noch kleine Touren in den Sonnenuntergang und kommen so ein wenig weiter in die Umgebung Madisis, als zu Fuß.


Die Kandidaten liegen
vor dem Altar, während die Schola und der Bischof
die Allerheiligen Litanei singen.
Zwei kirchliche Höhepunkte neben dem Osterfest steckten noch in jüngerer Vergangenheit: eine Diakonweihe in Zomba am 25. Mai und das Fest Fronleichnam hier in Madisi am 2. Juni. Zur Weihe bin ich mit der Familie eines Kandidaten mitgefahren, da seine Mutter mit den Schwestern befreundet ist und sr. Raynelda mir den Kontakt vermittelte. Allein wäre mir die Fahrt zu weit gewesen, doch interessiert war ich sehr, da ich dieses Ereignis selbst aus Deutschland noch nicht kannte. Kurzfristig musste ich jedoch allein fahren, da Frieda krank geworden ist. Das jedoch war auch nicht schlimm, denn ich wurde sofort von der ganzen Familie ganz lieb in Empfang genommen und sie kümmerten sich nett um mich. Als einzige Nicht-Malawierin in einer Gruppe von mehr als 40 Personen war es anfangs schon komisch, doch beinahe jeder sprach auch Englisch -oder versuchte es zumindest, genauso, wie ich mich mit Chichewa bemühte, was meist zu gegenseitigen herzlichen Lacheinlagen führte. J Ich lernte auf dieser Reise so viele nette Menschen kennen und viele von ihnen haben eine „Weiße“ erst einmal näher kennen gelernt und wissen nun zB. dass sie sich auch über „nsima“ freut und gerne auf Reis verzichtet. Das verwunderte am ersten Abend die meisten genauso wie die Fakten, dass ich problemlos mit den Händen aß und mit allen anderen Frauen freiwillig in der Garage schlief und keine Sonderbehandlung benötigte. Trotz dem wir uns vorher überhaupt nicht kannten, sagten mir die meisten, es sei „gut gewesen, dass ich da war“. Und auch, wenn es in der Mehrzahl der Fälle aufgrund meiner Hautfarbe gesagt wurde, finde ich es doch lieb und freue mich über diese Worte. Die Weihe der 19 Diakone war ein wunderschönes Fest -und doch wieder ein typisch malawisches, welche mir im Allgemeinen nicht so gut gefallen, wie die deutschen. nach dem Gottesdienst in der Kathedrale in Zomba gab es ein riesiges Chaos auf dem Vorplatz, denn alle Diakone wurden nun von ihren Freunden/Verwandten/Familien empfangen, es wurde getanzt, getrommelt und lauthals gesungen, sodass ich völlig den Überblick verlor. Doch zum Glück erkannte ich schnell unsere Festtagsfarbe (jede Diözese hat, wie es auch auf malawischen Hochzeiten üblich ist, eine eigene Chitenje (Farbe), woran man die Menschen schnell erkennen kann) und fand somit wieder Anschluss J. Dann ging es in eine nahegelegene Secondary School, in welcher die eigentliche Feier stattfand, d.h. Mittagessen, laute Musik und Tanz, Geschenkübergabe, Reden und dann durften auch alle wieder nach Hause fahren. Die malawischen Feste sind erstaunlicherweise immer schnell wieder beendet und beinhalten nur diese vier wichtigen Dinge; persönliche Gespräche sind kaum möglich. Wir machten uns also am gleichen Tag noch auf die lange Rückfahrt und kamen völlig erschöpft und müde gegen 21Uhr in Lilongwe an. Dort übernachteten wir im Hause der Mutter des Diakons -was ungefähr noch 20 andere Fremde Menschen taten. Nicht, dass diese Familie ein besonders großes Haus hatte, aber in Malawi ist das alles überhaupt kein Problem. Man legt einfach ein paar Matten auf den Boden und stellt die vorhandenen Betten zur Verfügung und dann wird geschlafen. Alles ganz unkompliziert und schön, wie ich finde.  Es war also eine gute Erfahrung, diese Reise gemacht zu haben, da ich wieder einmal für ein Wochenende Malawi hautnah erleben konnte.   

Im Hintergrund der Priester mit dem Allerheiligsten
unter dem Baldachin. Davor liefen
Ministranten und Blumenmädchen. 
Auch das Fronleichnamsfest war beinahe komplett anders als ich es von daheim gewohnt bin und doch hatte ich nicht ein Fünkchen Heimweh und genoss es, etwas anderes, neues zu sehen. Besonders gefiel mir die Choreografie der Blumenmädchen, welche sich zur anschließenden Prozession durch den Ort im Rückwärtsgehen abwechselnd vor dem Allerheiligsten verneigten, dreimal Blumen aus ihren Körben warfen, sich wieder verneigten, bevor sie zurück in die Reihe gingen. Natürlich auch die afrikanischen Rhythmen, die malawische Spontanität und Lebensfreude faszinierten und begeisterten mich so sehr! So kamen  mir die 6 Stunden Gottesdienst von 8.30Uhr bis 14.30 Uhr auch überhaupt nicht so lang vor, trotz dem die Hitze und der Staub schon sehr anstrengend und ermüdend waren.

In den letzten Monaten ist mir besonders stark die übeAufmerksamkeit von malawischen Männern an weißen Frauen aufgefallen. Ich bekam während der Zeit des Reisens mehrere Heiratsanträge und nur selten gibt es keinen Kommentar, den ein vorbeigehender Mann nicht zu mir sagen muss. Ich denke, der Hautfarbenfaktor spielt dabei die entscheidende Rolle und doch finde ich es oftmals sehr interessant und erlaube mir den einen oder anderen Scherz mit den Malawiern. Ich stecke es inzwischen schon mit einem Schmunzeln weg und genieße die Aufmerksamkeit hier einfach noch die letzte Zeit, bevor ich in Deutschland wieder „eine von vielen“ sein werde…

raus hohe

Zum Thema Armut/Leid und Krankheit kann ich nicht viel mehr schreiben, als bereits im zweiten Bericht. Nur erfahre ich jetzt hin und wieder einmal von einigen Bekannten, wer von den Mitarbeitern der Schule oder des Krankenhauses an AIDS leidet. Und oftmals sind es Menschen, von denen ich es nie gedacht hätte…man sieht ihnen die Krankheit nie richtig an. Deswegen liegen viele Fälle immer noch im Dunkeln und außer Witzen, die für mich unverständlicherweise manchmal gemacht werden, sprechen die Menschen hier nicht viel über dieses Thema. Bereits vier meiner Freunde, die Waisenkinder sind, habe ich einige für mich interessante Fragen zum Thema „AIDS und dem Verlust der Eltern“ gestellt und alle gaben mir wirklich sehr ergreifende Antworten. Ich stellte diese Fragen, da ich bei den Waisen in der Schule oftmals keinen wirklichen Unterschied zu den Nichtwaisen sehe und deshalb wollte ich erforschen, wie es für meine Freunde war, als sie noch klein waren. Doch beinahe alle meinten, wenn die Eltern sehr früh gehen, lernt man irgendwann mit der Situation zurecht zu kommen und nicht mehr jeden Tag nach dem „Warum?“ zu fragen. Viele vermissen die elterliche Liebe und Geborgenheit sehr, auch wenn sie bei lieben Verwandten wie die eigenen Kinder groß gezogen werden.
Betroffen macht mich nach wie vor sehr, wenn ich verwahrloste Kinderauf den Dörfern sehe oder Kinder in unserer Schule, die kaputte oder gar keine dem Wetter entsprechende Kleidung am Leib tragen, schon krank zur Schule kommen oder sehr oft dieser einfach ganz fern bleiben. So zB. bei einem Jungen aus meiner Klasse, der seit Beginn des Terms nicht mehr im Unterricht war und plötzlich wieder an der Tür auftauchte. Da fragte ich beim Klassenlehrer nach und wollte wissen, was denn bei ihm vorgefallen sei. Der Lehrer erzählte mir seelenruhig von einem „issue“ (Thema) im Hause des Jungen, dass wohl die Großmutter nach Lilongwe musste, um jemand Krankes zu pflegen und er daraufhin einfach keine Lust auf Schule hatte. In diesem Fall bleibt mir immer nicht viel übrig, als das zu glauben, doch am liebsten würde ich mich selbst mi Eltern oder Erziehungsberechtigten unterhalten und nach den Ursachen forschen….nun kommt das Kind allerdings wieder regelmäßig zur Schule und ich hoffe, dass es auch so bleibt.
Besonders als meine Eltern hier waren, habe ich die Armut noch einmal mit ganz anderen Augen wahrgenommen. Auch, wenn einige meiner Freunde einen Fernseher oder CD-Player im Haus haben, heißt das noch lange nicht, dass sich ihre Küche nicht draußen auf dem Hof befindet und sie über dem Feuer kochen, dass sich viele große Risse in den Wänden befinden oder sie nicht einmal ein richtiges Bett, geschweige denn Fenster in den Wänden oder Schränke und Möbel im Zimmer haben. Die Maßstäbe werden hier teilweise sehr viel anders gesetzt als in Deutschland. Das bemerkte ich auch, als ich vor kurzem einen Freund besuchte, der sich im letzten Jahr sein eigenes kleines Häuschen gleich neben dem seiner Mutter baute, da er mit der Arbeit in der Schule selbst Geld verdient und ein wenig mehr Freiheit und Selbstständigkeit wollte. Das Haus besteht aus zwei Räumen, hat keinen Strom- und Wasseranschluss (Feuerstelle und öffentlicher Wasseranschluss reichen da völlig) und besitzt nicht einmal ein echtes Wellblechdach, sondern nur eine Plane mit Buschgras darüber. Der erste Raum ist sein Schlafzimmer und im nächsten kann er Freunde und Besuch empfangen. Ich finde sein Zuhause wirklich niedlich, da es wie für ihn gemacht ist und doch würde in solche einer „Lehmhütte“ in Deutschland wohl niemand freiwillig leben wollen…

Schon wieder hat die malawische Regierung die Ferientermine geändert und die zwei von den Oster- zu den Sommerferien geschobenen Wochen wieder weggestrichen. Somit bleiben mir nach dem Ende der Schule nun doch wieder nur noch zwei Wochen bis zum Abflug, die noch so voll mit Terminen und Vorhaben sind, dass sie bald aus allen Nähten platzen. Aber wer weiß? Vielleicht bekommen wir einen vor dem ursprünglichen Termin noch einmal einen Neuen mitgeteilt…In Malawi ist schließlich nichts unmöglich.
Dennoch sind es nur noch zwei Monate, die vor mir liegen und ich bin zum jetzigen Zeitpunkt so gut hier in Madisi angekommen, dass ich mein „Zuhause auf Zeit“ eigentlich gar nicht mehr verlassen und noch nicht an den bevorstehenden Abschied denken möchte. Allerdings müssen nun langsam schon die Reden und Abschiedsgeschenke und meine „Fare-Well-Party“ vorbereitet werden, sodass die Gedanken daran unausweichlich sind. Eines ist für mich allerdings schon klar: Leicht wird es bestimmt nicht, mich von meiner neu gewonnenen Heimat zu verabschieden -auf unbestimmte Zeit „Lebt wohl“ zu sagen- und zurück in die „alte Welt“ nach Deutschland zu gehen, die Ausbildung in  einer fremden Umgebung mit neuen Leuten zu beginnen. Doch sicher wird auch dieser Lebensabschnitt spannend und wie hat schon Hermann Hesse einst gesagt: „Jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Ich bin also gespannt, in welcher Form mich dieser Zauber treffen wird. Mit 100%-iger Sicherheit kann ich allerdings sagen, dass Malawi und ganz besonders auch Madisi immer in meinem Herzen bleiben und ich zurückkommen werde…

Eure christina